| Die
Missionare aus Amerika |
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Zwei Missionare der Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten
Tage aus Utah haben sich in der Heimatstadt des evangelischen Pfarrers,
der keine Steuern hinterzogen hat, niedergelassen.
Sie
kommen mit der Mission in das Land von Karl Marx, Jörg Haider
und Hape Kerkeling, ihren Glauben zu verbreiten. In Amerika haben
sie die deutsche Sprache erlernt, um hier mit den Eingeborenen in
Kontakt treten zu können.
Aber,
was ist das denn bloß für ein Land...?
Sind
gerade eingereist: Mr. Eliot Grasham und Mr. Eliot Cunderwall
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"Ach
Eliot, du meine Güte, wo sind wir denn hier bloß gelandet?"
"Eliot, die Deutschen sind das Volk der Dichter und Denker
und der großen Techniker. Sie erfanden Autos, Raketen und das
Farbfernsehen."
"...und brachten damit die Geißel der Talkshows über
die Menschheit. Sie rasen wie die Irren über ihre schmalen Autobahnen
und lieben Tiere mehr als ihre Kinder!"
"Ja, Eliot, uns erwartet hier eine schwierige Mission." |
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Doch
die Deutschen kümmern sich redlich um ihr Heimatland.
Die beiden Amerikaner sind sichtlich beeindruckt von den Bemühungen
des Bundesministeriums für Volksaufaufklärung um Toleranz
gegenüber Ausländern zu werben.
"Ja
Eliot, Deutschland soll wieder zusammenwachsen..."
"...und groß und christlich werden!"
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Die
Deutschen sind ein sehr frommes Volk, sie erhalten ihre schönen
alten Kirchen, die in großer Zahl die Städte und selbst
kleinste Dörfer zieren.
"Aber Eliot, die Kirchen stehen doch fast das ganze Jahr über
leer!"
"Warum sind dann die Deutschen nicht so ehrlich wie früher
die Sowjets und machen aus ihren Kirchen Kuhställe? Oder wollen
Sie sich noch ein Hintertürchen offen halten?"
"Das
zu ergründen, ist unsere Mission, Eliot."
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Um die Lage zu klären,
haben sich die beiden Missionare mit unserem evangelischen Pfarrer,
der keine Steuern hinterzogen hat, verabredet.
Der evangelische Pfarrer berichtet von seiner Arbeit:
"Ja, wir werden hier vom Staat bezahlt und leben ziemlich gut
davon. Die Deutschen interessieren sich eigentlich überhaupt
nicht für unsere Kirche und die Religion. Sie sind nur dankbar
für romantische Hochzeiten in weiß in einer noch romantischeren
kleinen Kirche. Kitsch läßt sich schließlich ganz
gut verkaufen, denken Sie nur mal an unsere Gartenzwerge. ...und
es macht ja immer noch einen ordentlichen Eindruck, wenn man ´mal
von einem Pfarrer beerdigt wird.
Wenn Leute austreten - und das kommt ziemlich häufig vor -,
dann reden wir ihnen immer ein schlechtes Gewissen ein, weil wir
unsere vielen sozialen Einrichtungen sonst nicht mehr bezahlen könnten.
Das stimmt zwar nicht, weil sowieso alles vom Staat finanziert wird,
aber das muß man den Leuten ja nicht unbedingt auf die Nase
binden.
Ich selbst sehe mich
eigentlich mehr als Schauspieler denn als Pfarrer. Einige Kollegen
von mir kümmern sich um ihre Gemeindemitglieder immerhin dann,
wenn sie ausgetreten sind, denn sonst gehen ja die Kirchensteuereinnahmen
zurück. Aber mir ist das inzwischen egal. In spätestens
zehn Jahren gehe ich ohnehin in Rente, und bis dahin wird sich die
Kirche noch durchwursteln. Nach mir die Sintflut. Ich halte mich
zurück und versuche nirgendswo anzuecken..."
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Die Missionare folgen
diesen mystischen Zeichen und werden schon bald fündig. An
dieser altgermanischen Kultstätte im Rhein - Elbe Park in Gelsenkirchen
werden an jedem dritten Freitag im Monat um Mitternacht schwarze
Messen gelesen - aber nur bei schönem Wetter, denn sonst wird
man ja naß.
"Wollen
die Deutschen etwa ihre alten germanischen Religionen wieder zurück
haben, Eliot?"
"Nein Eliot,
das sind wohl nur Ausnahmefälle. Aber wenn du siehst, wieviele
Deutsche sich für Horoskope und Esoterik interessieren, dann
hat unsere Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage hier
doch eine kleine Chance."
"Du hast recht Eliot,
die großen deutschen Staatskirchen haben abgewirtschaftet,
wir werden sehen, was wir hier erreichen können."
"Ja, Eliot, eine
friedliche Koexistenz von Gläubigen und Atheisten - auch das
müßte möglich sein."
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